So werden auch Sie bestimmt ein toller Chef

Draussen ist es über 35 Grad heiss und ich sitze im Grossraumbüro eines amerikanischen Grosskonzerns. Es ist einer dieser typischen Sommertage, an welchen man seinen Arbeitsplatz lieber mit dem kühlen Nass des Schwimmbads oder Sees tauschen würde. Dennoch zirkeln mehr als 300 Mitarbeiter wie emsige Bienchen zwischen Tischen, tauschen hastig wichtige Informationen aus oder gönnen sich eine kleine Erfrischung. Einer meiner Mitarbeiter, ein Auszubildender, sitzt gegenüber mir und starrt vertieft in den Bildschirm seines CAD-Terminals. Trotz der Hektik herrscht eine gewisse Anonymität und jeder scheint gehorsam und konzentriert sein Ding zu machen. So fällt es auch nicht auf, als plötzlich ein „Fremder“ neben den jungen Mitarbeiter sitzt und ihn in ein intensives Gespräch verwickelt. Nur einige wenige Mitarbeiter schauen in diesem Moment erschrocken auf und realisieren, dass der vielbeschäftigte Konzernchef – Herr über ein Imperium mit mehr als 100‘000 Mitarbeitern in über 120 Ländern – es wieder einmal mehr geschafft hat, sich beinahe unbemerkt unter die Masse zu mischen. Nach wenigen Minuten erhebt sich der Boss, tauscht noch ein paar Worte mit mir aus und verlässt wie ein unscheinbarer Geist die heiligen Hallen der Konzernzentrale.

Der Junge ist emotional zutiefst bewegt und auch Wochen, gar Monate nach diesem Ereignis, betont er immer wieder: „Die Tatsache, dass sich der „Big Boss“ persönlich für meine Arbeit interessiert hat, ist die grösste Anerkennung, die mir je zu Teil wurde.“ Welche Eigenschaften machen also einen tollen Chef aus ? Tausende, wenn nicht Millionen von Büchern wurden bereits über Leadership geschrieben und jeder glaubt den goldenen Gral gefunden zu haben. Aber letztlich geht es doch nur darum, zu verstehen, was Mitarbeiter wirklich brauchen, und Ihnen genau das zu geben.

Nicht nur das obige Beispiel sondern auch repräsentative Umfragen von Gallup oder www.incenta.ch bestätigen: Nicht nur Mitarbeiter sondern wir alle lechzen nach Anerkennung und Wertschätzung. Joachim Bauer, Medizinprofessor aus Freiburg, untersucht seit Jahren den Wunsch nach Anerkennung und kommt zum Schluss: “Nichts aktiviert das Motivationssystem so sehr, wie von anderen gesehen und sozial anerkannt zu werden.“ Studien belegen, echte Anerkennung fördert die emotionale Bindung und Leistungsbereitschaft. Ich bin deshalb auch fest davon überzeugt, dass zum Beispiel Facebook gerade so erfolgreich ist, weil sie eine grossartige Plattform bietet, um sich die soziale Anerkennung zu holen – auch wenn man sich darüber streiten kann, wie echt und nachhaltig es ist, möglichst viele LIKES zu ergattern.

Manche Menschen greifen leider oft zu schrecklichen Massnahmen, um den Durst der Anerkennung stillen zu können: Sie machen Überstunden, lügen, verbiegen sich, beladen sich mit Statussymbolen oder verlieren sich in fremden Ansprüchen, und verlieren letztlich ihre Authentizität, nur um ein wenig geliebt zu werden. Doch dies bedeutet der Verlust an Individualität, Innovation und Kreativität. Unternehmen verlieren Milliarden.

Doch wie werden Sie ein toller Boss, indem sie Menschen und Mitarbeitern einfach nur ECHTE Anerkennung entgegenbringen?

  1. Sich selber wertschätzen. Letztlich können sie nur geben, was sie bereits besitzen. Nur wenn sie sich selbst anerkennen, können sie dies echt an andere weitergeben. Begeben Sie sich deshalb regelmässig in Selbstreflexion und mögen Sie sich mit all ihren Ecken und Kanten. Dann mögen sie auch andere in einer aufrichtigen Art und Weise.
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  2. Vergessen sie das Lob, geben Sie nur Feedback. Menschen möchten wachsen. Sie möchten wissen, wo sie sich verbessern können, was sie gut und deshalb noch besser machen können. Seien sie sachlich, aufrichtig und authentisch und loben sie nicht nur des Lobes willen oder nach Checklisten, wie es einige Vorgesetze machen, nur weil sie es an einer „renommierten „ Business School gelernt haben.
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  3. Seien Sie präsent. Vor vielen Jahren hatte ich in Südostasien, einen Auftrag verloren, nur weil ich mich zu wenig beim Kunden gezeigt habe. Auch wenn alles rund läuft, suchen Menschen nach Nähe und echter Aufmerksamkeit. Treten sie überraschend wie ein unscheinbarer Geist auf und verblüffen sie ihre Mitarbeiter mit einem ECHTEN Auftritt.
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  4. Fördern Sie die Selbstliebe Ihrer Mitarbeiter. Machen Sie Menschen stark, damit sie sich selbst Anerkennung geben und immer mehr ihre Abhängigkeit von anderen verlieren. Bieten sie eine Plattform, wo sie sich und ihre Ideen präsentieren können, wo sie selbst spüren, dass sie etwas Wertvolles sind.

Buchtipp
Shiro – Das große Wagnis: Mit dickem Fell auf die Reise zu Authentizität und Selbstverwirklichung. Andreas Dudas. Books on Demand Verlag.
Buch Shiro Das grosse Wagnis Andreas-Dudas