Perspektivenwechsel: „Wie ich lerne meinem eigenen Kopf auf die Schliche zu kommen!“

Jeden Morgen wählen wir selbst, ob dies ein “guter”, für uns erfolgreicher Tag wird, oder auch nicht!

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Sie werden bestimmt denken: „Das ist doch Quatsch, ich habe doch nicht immer in der Hand, was, wo und wie etwas passiert!“ Stimmt, das haben Sie nicht! Aber die Interpretation dessen, was Ihnen passiert, haben Sie schon in der Hand!

In der Psychologie ist es bekannt, dass wir durch unsere selektive Wahrnehmung einer Situation oder eines Menschen, immer nur ein Konstrukt der realen objektiven Welt in uns abbilden. Das nennt man Mentales Modell. So sehen wir Situationen, Tatsachen, Menschen nicht, wie sie objektiv sind, sondern wir verzerren, das heisst, „konstruieren“ ein Bild von ihnen in uns.

Woher kommt das?

Wenn wir alle Signale, Zeichen, Töne und Informationen, die es jede Sekunde um uns herum gibt, in uns aufnehmen würden, wäre unser Hirn total überfordert. Das Gehirn macht daher etwas sehr sinnvolles: Es selektiert Informationen, die von aussen kommen und konzentriert sich auf das für uns Wesentliche. Dann kommen ausserdem unsere Erfahrungen hinzu, die wir mit Menschen, Geräuschen, Emotionen, Erlebnissen usw. gemacht haben und lassen uns Situationen und Dinge bewerten. Wir werden geprägt durch die Umwelt, unsere Kultur, unsere Freunde, Familie, Erfahrungen, Religion, unsere eigenen Emotionen usw. und bewerten daher Informationen sehr unterschiedlich: Wir verzerren also damit „unsere Wahrnehmung“.

So erzählte mir mein Onkel aus Paris, dass er die Gewehrsalven am 23. November 2015 in der Pariser Innenstadt gehört habe und auch als Gewehrsalven erkannt habe – er gehört noch zur Kriegsgeneration. Er habe aber gedacht, dass dies nicht sein könne, da ja nun schon seit über 65 Jahren kein Krieg bestehe und hat die Geräusche anders zugeordnet, bis er eines Besseren belehrt wurde.

Was passiert nun mit unserer selektiven Wahrnehmung?

Verrückterweise bestätigen wir uns auch ganz oft in unserer verzerrten Wahrnehmung und suchen Bestätigung unserer Beurteilung. Dieses Phänomen ist auch als „Halo-Effekt“ oder „Self-fulfilling Prophecy“ bekannt. So suchen wir beispielsweise bei einer Person, die uns sympathisch erscheint, automatisch nach positiven Verstärkern unseres Eindruckes. Da unser Verhalten gegenüber dieser Person durch unseren Eindruck geprägt ist, wird sich diese Person mit grösster Wahrscheinlichkeit tatsächlich gemäss unseren Erwartungen verhalten. Oder anders ausgedrückt: Was uns passiert, hängt oft von unserer Voreinstellung ab.

Was hilft uns, unser Konstrukt der Wirklichkeit zu erkennen?

Sowohl direktes, persönliches Feedback als auch andere Sichtweisen, Ideen und Ansichten von Personen oder anderen Informationsquellen und – last but not least – die eigene Wahrnehmung in Frage zu stellen, helfen uns zu erkennen, welche Spielchen unser eigener Kopf mit uns treibt. Zwar können wir, wie gesagt, nicht die Geschehnisse selbst verändern, die uns begegnen. Durch eine bewusste Reflektion unserer Wahrnehmung können wir jedoch unsere Einstellung den Geschehnissen gegenüber verändern und haben somit zumeist Verhaltensalternativen.

Wie nehmen wir eine neue Perspektive ein?

Eine eingeschränkte Sichtweise, kombiniert mit einem passiven Verhalten, kann dazu führen, sich als Opfer einer Situation zu fühlen und die möglichen Optionen, die sich bieten (wie hier im Bild im Bus einfach den Platz zu wechseln) zu übersehen. Eine Möglichkeit, seine eigene Perspektive zu wechseln, bietet Ihnen folgende Übung (Diese finden Sie auch in ähnlicher Form im Buch „Psycho? Logisch! Nützliche Erkenntnisse der Alltagspsychologie,“ V. Kitz, M. Tuch, Heyne 2011):

Stellen Sie sich einen „schwarzen Freitagmorgen“ vor, der folgendermassen für Sie begonnen haben mag: Sie verschlafen am Freitagmorgen, müssen sich jetzt beeilen, wollen dann duschen und bekommen nur einen kalten Schauer ab, stossen sich den Fuss am Bett, verpassen fast den Bus und können ihn nur erreichen, indem Sie hinter ihm her rennen, kommen fast zu spät ins Meeting und erreichen es nur, da Sie die Treppe nehmen.

Sie könnten nun daraus folgern: „Was für ein furchtbarer Tag! Was für ein furchtbarer Wochenausklang! Das kann ja nur schlecht weiter gehen!“ Oder Sie betrachten alle diese Ereignisse einmal aus einer anderen Perspektive, quasi wie auf den Kopf gestellt: Sie konnten diesen Morgen qualitativ besser und effektiv länger schlafen. Sie haben durch die kalte Dusche Ihren Organismus angekurbelt. Durch das Anstossen des Fusses am Bett haben Sie vielleicht ein schon lange gesuchtes Buch wieder gefunden, das Sie lesen wollten und durch das Nachhetzen des Busses und das Treppensteigen vor dem Meeting haben Sie schon einen Teil des Sportes gemacht, den Sie sich für den Abend vorgenommen hatten. Sie sind frisch und rosig und ganz wach in das Meeting gestartet.

Den Perspektivenwechsel vorzunehmen, sich seiner eigenen selektiven Wahrnehmung, Einstellung und Sichtweise auf die Schliche zu kommen, lohnt sich! Genauso wie es sich lohnt, sich in einem Bus mir schlechter Aussicht, auf einen Platz mit besserer Aussicht zu setzen und so seine ganze Stimmung zu heben.

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