Kommunikation – ein Schlüsselelement in jedem Veränderungsprozess

Wie können Kommunikationsmassnahmen im Rahmen von Veränderungsprozessen gestaltet werden,  dass sie  Betroffene zu Beteiligten machen und nachhaltige Veränderungen ermöglichen?  Inwiefern unterscheiden sich die entsprechenden Kommunikationsmassnahmen bei  kleinen Start-Up-Unternehmen  im Vergleich zu  grossen Unternehmen, die einen Kulturwandel  vollziehen?  Die Kalaidos Fachhochschule bot  am Praxisgespräch  vom  25. September 2015 allen Interessierten und den  StudentInnen die Möglichkeit, diese und andere Fragen  zusammen mit  ExpertInnen zu diskutieren und neue Erkenntnisse zu gewinnen.

Die beiden  Praxispartner  der Kalaidos Fachhochschule, Dr. Thorsten Scherf, Senior  Manager Personnel & Organizational Development bei  Sunrise und Fabienne Willi, Communications & Marketing Manager bei Equatex AG Zürich,  schilderten  in kurzen Referaten und Diskussionen, wie sie  mit konkreten Veränderungsprozessen  und den damit  verbundenen Herausforderungen in Ihren Unternehmen umgegangen sind. Daniela Disler, Studiengangsleiterin und Consultant Athemia  – Kalaidos Fachhochschule Departement Wirtschaft, führte als Moderatorin durch den gut dreistündigen Anlass, der neben der  Vertiefung der Fragestellungen Gelegenheit zum Netzwerken bot.

Zentrale Erfolgsfaktoren

Stehen in einem Unternehmen Veränderungen an oder sollen Veränderungsprozesse in Gang gesetzt werden, gibt es  Kommunikationsgrundsätze, die generell zu beachten sind.  Denn die  Betroffenen werden nicht nur mit Begeisterung, sondern häufig auch mit Verunsicherung  und Ängsten reagieren. Ebenso wird beispielsweise bei der Einführung einer neuen Unternehmenskultur  oder neuen Marke  die Zugehörigkeit grundsätzlich hinterfragt. Gemäss den Erfahrungen der Referenten sind der Vertrauensaufbau  und das  Herstellen  der Veränderungsbereitschaft  zentral. Idealerweise arbeiten in Veränderungsprozessen die Verantwortlichen der Kommunikationsabteilung, OrganisationsentwicklerInnen, Human Ressources und Führungskräfte zusammen, um die optimalen Massnahmen zu entwickeln und umzusetzen. Vision und Ziele  sowie Werte und Führungsprinzipien sollen in der Kommunikation so einfach und klar wie möglich vermittelt werden.  Für Führungskräfte gilt, die zahlreichen Fragen ernst zu nehmen und in persönlichen Gesprächen auf Bedürfnisse und allfällige Ängste einzugehen. OrganisationsentwicklerInnen unterstützen die Zielerreichung auf verschiedenen Ebenen mit effektiven Instrumenten und Methoden wie  Teamentwicklung  oder Grossgruppenmoderationen.

Die Einführung von Unternehmenswerten bei Sunrise

In 2014 wurden die Sunrise-Werte neu formuliert. Die bis dahin gültigen 7 Werte wurden auf die folgenden drei Werte zu reduziert:  Fairness, Transparenz und Kundenorientierung.  Eine der ersten Kommunikationshandlungen zur Sichtbarmachung der Werte nach aussen war die sogenannte „Live-Explain-Prove“-Kampagne.  Als bedeutendste Organisationsentwicklungsmassnahme  manifestierten sich die unternehmensweiten Werte-Workshops in den Teams. Zu jedem der drei Werte diskutierten Vorgesetzte mit ihren Teammitgliedern  folgende beiden Fragen: „Was tun wir, um diesen Wert stärker zu leben?“, „Woran merken die Kunden, dass wir diesen  Wert aktiv vorantreiben?“  Parallel dazu lief eine SMS-Kampagne, in welcher jeder Mitarbeiter die Gelegenheit hatte, sein individuelles Verständnis der drei Unternehmenswerte zu formulieren. Die  individuellen Beiträge sowie die Beiträge der Teams wurden zentral gesammelt, ausgewertet und wieder der gesamten Belegschaft  gegenüber kommuniziert. Wesentlich für das Gelingen dieses tiefgreifenden Kulturveränderungsprozess war die Bildung einer Projektgruppe mit Vertretern aus der Kommunikations- und  Organisationsentwicklungsabteilung sowie der Linie, welche die verschiedenen Massnahmen und Verantwortlichkeiten jeweils miteinander abstimmten.

Die Rolle der internen Kommunikation in der Start-Up-Phase von Equatex

Beim Aufbau von Equatex, ein international  ausgerichtetes und multinational zusammengesetztes Start-Up-Unternehmen, wurden rund 90 Mitarbeitende vor zentrale Herausforderungen gestellt: Neben der Aufrechterhaltung des Tagesgeschäfts und den für Veränderungsprozesse typischen „Moving Targets“ hatten sie  gleichzeitig die Entwicklung und Einführung von neuen Funktionen, Prozessen und Strukturen wie beispielsweise die HR-, Finanz-, Marketing- und Controllingabteilung voranzutreiben.  Was brauchte es aber, damit die interne Kommunikation das nötige Gewicht  erhielt? Als erstes ging es darum, die Kommunikationsmassnahmen zu priorisieren: 1. Kundenkommunikation, 2. Projektkommunikation, 3. Markenaufbau und Markenetablierung, 4. PR/Media und 5. Interne und externe Events.  Die interne Kommunikation stellte zudem die Verbindung zwischen dem Projektmanagement und den Mitarbeitenden sicher. Alle  Mitarbeitenden sollten jeweils die gleichen Botschaften zur gleichen Zeit erhalten. Ziel war, dass die Mitarbeitenden die Veränderungen nachvollziehen und akzeptieren konnten sowie den Wandel  mittrugen. So wurden regelmässige „All-Staff-Meetings“ sowie  ein Intranet nach dem „Full Transparency“-Prinzip und entsprechenden „Collaboration Tools“ eingeführt. Dazu kamen ein alle sechs bis acht Wochen erscheinender Newsletter, regelmässige Lunch&Learn-Veranstaltungen sowie eine sich jährlich wiederholende Mitarbeiterbefragung.  Diese Massnahmen wurden von der Kommunikationsabteilung zusammen mit dem Management gesteuert.  Zur optimalen Umsetzung der Massnahmen hat wesentlich  beigetragen, dass die Kommunikationsverantwortliche ihr grosses  Fachwissen in Organisationsentwicklung  einfliessen lassen konnte.

Fazit

Was erzählen uns die beiden Geschichten aus der Unternehmenspraxis? Veränderungen werden von Menschen gemacht,  von Menschen gesteuert und von Menschen getragen. Damit  ein Veränderungsprozess seinen gewünschten Verlauf nimmt, braucht es insbesondere bei grossen Unternehmen eine gute Abstimmung und Koordination zwischen den beteiligten Fachstellen  (Kommunikation und  Organisationsentwicklung) und  den Führungsverantwortlichen. Umso mehr sind  gebündeltes  Fachwissen und Umsetzungskraft bei  kleineren und mittelgrossen Unternehmen gefragt.

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Weitere Anregungen für eine erfolgreiche Kommunikation in Veränderungsprozessen erhalten Sie in den „Top 10 Tips for Change Management„

 

Bitte reservieren: Praxisgespräch vom 29.01.2016 (13.00 – 17.00 Uhr)

Im Fokus des Praxisgesprächs steht die ganzheitliche Personalentwicklung für ältere Mitarbeitende. Details und Anmeldemöglichkeit finden Sie demnächst auf unserer Website unter Veranstaltungen.

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