Die Macht der dritten Stimme – Psychologische Phänomene im Arbeitsalltag

Haben Sie sich mal gefragt, weshalb Sie sich in einer bestimmten Situation so und nicht anders entschieden haben? Dies hat damit zu tun, dass wir täglich mit psychologischen Phänomenen konfrontiert sind – sei es auf dem Weg zur Arbeit oder auch in ganz vielen Arbeitssituationen.

Nehmen wir zuerst ein einfaches Beispiel aus dem täglichen Leben: Sie haben sich bereits seit Wochen mit der Anschaffung ihres neuen Fernsehgerätes beschäftigt. Sie haben Prospekte, Testgutachten, inklusive Internet gründlich befragt. Gerade als Sie auf dem Weg sind, den Fernseher, für den Sie sich entschieden haben, zu kaufen, treffen Sie einen guten Bekannten, einen Elektrotechniker, der Ihnen sagt, Sie sollen die Finger von diesem Gerät lassen, weil es nur Ärger und Reparaturen bringt. Kaufen Sie nun das Gerät? Die meisten, das zeigen Untersuchungen, NICHT.

Wie zeigt sich dieses Phänomen im Arbeitsalltag? Dazu ein zweites Beispiel: Sie sind monatelang im Auswahlverfahren für einen Mitarbeitenden und endlich ist die Wahl getroffen. Da sagt doch eine Kollegin aus einem anderen Unternehmen, dass Sie diesen Mitarbeitenden auf keinen Fall anstellen sollten und begründet dies plausibel. Sofern Sie die Möglichkeit haben, werden Sie Ihre Entscheidung in diesem Moment nochmals überdenken, trotz der bereits geführten Gespräche mit dem Kandidaten, trotz des eigenen Bildes, das Sie sich von ihm und seinen Referenzen machen konnten.

Woran das liegt

Menschen sind für konkrete Informationen empfänglicher. Persönliche Empfehlungen und Erzählungen sind im Entscheidungsverhalten einflussreicher als schriftliches Material. Auch wenn wir es nicht immer zugeben können, das Unterbewusstsein spielt eine wesentliche Rolle bei Entscheidungen und konkrete Informationen haben hierzu einen besseren Zugang. Dies nutzt auch die Presse. Das Schicksal eines einzelnen Arbeitnehmers, der mit seiner Familie und Hund vor dem ihm entlassenden Unternehmen abgebildet wird, bewegt die Leser mehr als eine Nachricht, dass 500 Menschen entlassen wurden. Sobald das verwendete Schema zudem einem Stereotypen wie dem „vom bösen Arbeitgeber“ entspricht, wird dieser Effekt verstärkt.

Ein weiteres Phänomen kommt beim Stereotyp hinzu: Wir neigen dazu einen fundamentalen Attributionsfehler zu begehen. Das bedeutet, wir versuchen das Verhalten anderer, besonders der Stereotypen, mit Charakter und Fähigkeiten zu beschreiben anstatt auch situative Aspekte einzubeziehen. Der Mitarbeitende, der seine Arbeit nicht macht, wird daher gerne zunächst als faul anstatt als überlastet angenommen. Haben wir einmal eine Meinung oder ein Bild, wird dieses schwer zu ändern sein, sofern Dritte dies nicht umwerfen. Es geht uns dann darum, unsere kognitive Dissonanz und damit Widersprüche im Denken und ggf. Handeln zu beseitigen. Wir passen daher unsere Gedanken entsprechend an.

Der War-doch-klar-Effekt

Hinzu kommt in der täglichen Arbeit ein Verzerrungseffekt. Oftmals wussten Mitarbeitende von einem bevorstehenden Ereignis – und das ohne klare Beweise – lange bevor es tatsächlich eintrat. So ist in vielen Fällen Mitarbeitenden Ihrer Aussage nach bereits vorher klar gewesen, wer die neue Führungskraft wird oder dass ein Vorstandchef gehen muss. Dabei wird Wissen in die Vergangenheit projiziert. Unser Wissen, das wir mitgeteilt bekommen haben, hat unser Urteil der eigenen Meinung nach dabei nicht zwingend bewusst beeinflusst. Besonders stark zeigt sich ein Effekt bei wahrgewordenen Annahmen.

So besagte bereits eine Lebensweisheit des US-amerikanischen Ingenieurs Edward A. Murphy: „Eine beträchtliche Anzahl von Personen kommt aus einer unermesslich grossen Zahl von Ecken hervor, um Ihnen nach einem Unfall zu sagen, was man vorher hätte unternehmen müssen, um zu verhindern, dass es sich wiederholt.“.  Doch wussten Sie das nicht bereits vorher?

Und noch etwas

Letztendlich gehen auch Sie selbst von einer falschen Einzigartigkeit aus. Wenn jemand selbst gut analysieren kann und sich dessen auch bewusst ist, wird er oder sie auch die Anzahl der Personen, die dies auch gut können als geringer einschätzen. Entsprechend erscheinen uns beispielsweise Arbeitsergebnisse als selbstverständlich. Dazu kommt jedoch noch ein mathematisches Problem, zumindest dann, wenn laut einer Umfrage 90% der männlichen Autofahrer glauben, besser zu fahren als der Durchschnitt.

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