Demographie-Management – womit es anfängt

Wer kennt sie nicht, die Vor-Urteile gegenüber älteren und jüngeren Mitarbeitenden? Die älteren seien schwer zu motivieren, neigten zu kauzigen Ansichten, würde unablässig überhöhte Lohnforderungen stellen und leistungsmässig nachlassen. Die jüngeren seien vital, am Markt orientiert, fit mit den digitalen Medien, voller Innovationslust.

Würden Sie das unterschreiben?

Ich ehrlich gesagt nicht. Über den Funken Wahrheit, der in vielem steckt, soll hier nicht gestritten werden. Aber in meiner Praxis treffe ich andere Menschen an.

Wie kommen wir zu Verständnis, das Vor-Urteile ersetzt? Wie kommen wir zu produktiven Situationen, in denen jedes Alter sein Bestes geben kann?

Szenenwechsel: eine junge ungarische Gewerkschafterin ist in einem Workshop aufgefordert zu erklären, welches die Treiber eines über 55jährigen Managers sind. Sie meint „he’s not building his own empire“. Damit bringt sie zum Ausdruck, was man im menschen-zentrierten Demographie-Management schnell merkt. Die Treiber und Bedürfnisse, die Menschen in der Arbeitstätigkeit befriedigen wollen, verändern sich. Werte verändern sich. Das muss man zuerst verstehen und erforschen; da helfen einfache Frage- und Kooperationstechniken, es braucht kein universitäres Forschungsprojekt.

Szenenwechsel: ein Kurs mit dem Namen „Mein Business Case in der Pension“. 15 Menschen wird im Laufe des Kurses klar, was sie schon immer wussten. Sie wollen weiter über 65 hinaus arbeiten. Sie wollen Nutzen generieren für „Kunden“, für eine Firma, für Menschen in der Nachbarschaft, für Kolleginnen und Kollegen. Im Raum schwirren die Ideen herum. Die Kurs-Teilnehmenden sprechen sich ab, geben einander Feedback zu ihren Wünschen und Plänen.

Was ist das Bedürfnis, das diese Menschen antreibt? Es geht um Identität, Partizipation, Fairness, Akzeptanz.

Und das ist genau die Erfahrung, die ich in Unternehmen mache. Gestalten die Mitarbeitenden Lösungen, in denen diese Werte entstehen und gelebt werden, tritt einer in den Hintergrund, der oft als zentral betrachtet wird: Besitzstand-Wahrung.

Womit Demographie-Management anfängt? Mit Sinn; Sinn entsteht über die Wahrnehmung von Werten; Werte entstehen, wenn Bedürfnisse verstanden und befriedigt werden.

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Matthias Müller spricht am ZGP-Symposium „Keine Frage des Alters – Erfolgreiches Demografie-Management“.
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